5 Kinder (3 Mädchen, 2 Buben) und 1 junge Frau, die in einem Sesselkreis sitzen und offensichtlich mit den anderen etwas spielen

Tag der Muttersprache in unseren sprachsensiblen Kindergärten

Die Förderung der Muttersprachen und der Mehrsprachigkeit von Kindern und unserer pädagogischen Fachkräfte ist uns als Kindergartenträger ein zentrales Anliegen.

Denn egal, wo wir leben, arbeiten und unsere Kinder aufwachsen: Unsere Muttersprache ist wichtig. Denn haben wir sie nicht richtig gelernt, fehlen uns wichtige Grundlagen für unsere Persönlichkeit, aber auch für das Erlernen weiterer Sprachen. Der Tag der Muttersprache soll daran erinnern. 

Im Rahmen unserer BIG Projekte (Bildungskooperationen in der Grenzregion) beschäftigen wir uns nun schon beinahe zwei Jahr sehr ausführlich mit dem Thema Mehrsprachigkeit und wie wir diese am besten im Kindergarten unterstützen können.

So begleiten eigens für das Projekt angestellte SprachbegleiterInnen vormittags die PädagogInnen in der Förderung ALLER Sprachen im Kindergarten. Es geht vordergründig allerdings nicht um sprachliche Förderung einzelner Sprachen, sondern vielmehr darum, vermehrte Sprechanlässe – in welcher Sprache auch immer – zu schaffen, sodass Kinder Freude und Lust am (Sprachen-)Lernen erfahren. Denn für die Gesamtentwicklung eines Kindes ist die Sprache unerlässlich, um nicht zu sagen, die wichtigste Grundvoraussetzung überhaupt und wichtiger Motor für viele Lernanlässe. 

 
Warum wir uns des Themas annehmen?

Jedes Kind hat bei uns das Recht auf seine eigene Sprache - und da wir viele Sprachen in unseren Kindergärten haben, wollen wir uns diesem kinderrechtsbasierten Grundsatz verschreiben und mehrsprachige Kinder in ihrer gesamten sprachlichen Entwicklung begleiten anstatt sie ausschließlich auf ihre Deutschkentnisse zu reduzieren. Wir unterstützen die Kinder in unseren Kindergärten, damit sie sich in all ihren Sprachen bestmöglich entfalten können.

Was wir als Kindergarten jedoch nicht leisten können, ist dem gesellschaftlichen Anspruch, - beinahe schon Druck auf unsere PädagogInnen - gerecht zu werden, mehrsprachige Kinder als einsprachige Kinder zu sehen und binnen 1-2 Jahren (bis zum Schuleintritt) mittels Testungen und programmbasierter Förderung so in Deutsch zu „drillen“, dass sie die Bildungssprache Deutsch ausreichend beherrschen. Wir unterstützen das Kind bestmöglich, gut umgangssprachlich Deutsch zu lernen. Aber um die Schulsprache gut sprechen zu können, benötigen mehrsprachige Kinder ausreichend Zeit - nicht ein oder zwei verpflichtende Kindergartenjahre, sondern in Wirklichkeit 5-7 Jahre, um in der Zweitsprache denselben Stand zu erreichen wie einsprachig aufwachsende Kinder. Die sprachliche Förderung im Kindergarten integriert deshalb auch die lebensweltliche Mehrsprachigkeit in ihre gesamte Bildungsarbeit. Und es braucht vor allem eine enge Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule, um mehrsprachige Kinder beim Übergang gut zu begleiten. Damit in der Schule dort angesetzt werden kann, wo die qualitativ gute sprachliche Förderung des Kindergartens aufgehört hat.

 

Mehrsprachige Bildung lebt von den Möglichkeiten, die eine Einrichtung zur Entwicklung aller Sprachen bietet. Solange mehrsprachige Kommunikation unsichtbar bleibt,
kann Mehrsprachigkeit nicht als Bildungsressource genutzt werden
(Chilla, 2017, S.99).

Um Mehrsprachigkeit für Kinder und deren Eltern sichtbar und als Bildungsressource nutzbar zu machen, braucht es auch im Kindergarten mehrsprachige Ressourcen. Denn sprachliche Entwicklung - gleich in welcher Sprache - braucht qualitative und quantitative Ressourcen in Form von vielfältigen Sprechanlässen.

Das Schaffen von Sprechanlässen gewährt ein ausreichend guter Personal-Kind-Schlüssel und ein mehrsprachiges Team, um das Sprachenungleichgewicht zwischen PädagogInnen und Kindern auszugleichen. Durch unsere BIG SprachbegleiterInnen schaffen wir diese vielfältigen Sprechanlässe teilweise gezielt durch das Singen mehrsprachiger Lieder, sprachfördernde Spiele, etc. oder einfach bei ganz alltäglichen Routinen wie Tisch decken, essen, anziehen etc. . Abgesehen von konkreten sprachfördernden Aktivitäten bedeutet die Anwesenheit jeder zusätzlichen Person selbstverständlich eine höhere Betreuungsqualität für alle Kinder. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Mehrsprachigkeit sichtbar (mehrsprachige Bücher/Poster), hörbar (Lieder/Verse) und lebbar (Gespräche über mehrsprachiges aufwachsen etc.) gemacht wird.

 

Alle Sprachen sind gleichwertig

Den Kindern muss vermittelt werden, dass ALLE Sprachen gleich wertvoll sind und wir sie nicht an ihren Sprachdefiziten messen, sondern sie mit ihrer Sprache in den Mittelpunkt stellen. Auf diese Weise wird ihr Selbstbewusstsein und ihr positives Selbstbild als mehrsprachige Kinder gestärkt. Eine wichtige Motivation für jegliches Lernen nicht nur der Sprache.

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