Kleine Weltkugel in Kinderhand

Kinderfreunde zu Sprachförderung im Kindergarten

7.September 2018

Neue Erhebungsbögen lösen keine Sprachprobleme

Wien, 7.9.2018 - „Bei einem so komplexen Thema wie dem Zweitspracherwerb von Kleinkindern von nicht gebrachten Erträgen zu sprechen ist im Hinblick auf die Versuche der Regierung, beim Kindergarten Mittel einzusparen, besonders zynisch“, reagiert Christian Morawek, der Geschäftsführer der Wiener Kinderfreunde, verärgert auf die Kritik von Bildungsminister Faßmann an der Sprachförderung in Kindergärten.

 

Sprachstandsfeststellungen (BESK- und BESK-DaZ) seit 10 Jahren Standard

„Neue Erhebungsbögen lösen keine Sprachprobleme. Je nach Förderbedarf gibt es zwei bis drei jährliche Sprachstandserhebungen ab dem Alter von 4 Jahren in Wiener Kindergärten schon seit mehr als 10 Jahren. Außerdem ist es desavouierend, ElementarpädagogInnen, die in Österreich ja eine 5-jährige Ausbildung mit Matura absolvieren, zu unterstellen, dass ihr Sprachniveau unter dem Maturaniveau C1 liegt. PädagogInnen, die ihre - in allen Ländern außer Österreich tertiäre - Ausbildungen im Ausland absolviert haben, müssen für die Anerkennung ihrer Ausbildung auch C1 nachweisen“, wundert sich Morawek über die Ankündigungen von Bildungsminister Faßmann.

 

Ein Kindergartenjahr ist zu wenig

Tatsächlich ist es aber nachweislich wichtig, dass Kinder möglichst früh mit dem Zweitspracherwerb beginnen. Ein verpflichtendes Kindergartenjahr ist also auf jeden Fall zu wenig, weshalb die Kinderfreunde seit vielen Jahren ein zweites fordern.

 

Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sprachliche Entwicklung ein komplexer, mehrjähriger Prozess ist, der selbst nach der Volksschule nicht abgeschlossen ist. Außerdem ist eine erfolgreiche Zweitsprachkompetenz nur durch eine gefestigte und geschätzte Familien(erst)-sprache möglich. Daher liegt im verpflichtenden Österreichischen BildungsRahmenPlan für elementare Bildungseinrichtungen der Fokus in Kindergärten auf der Gesamtsprachentwicklung.

 

„Das ist im Hinblick auf einen PädagogInnen-Kind-Schlüssel von 25 zu 1 - unterstützt durch eine Halbzeit-Assistentin und einmal pro Woche halbtags Unterstützung einer Sprachförderassistentin -eigentlich übermenschlich. Daher würde ich von der Bundesregierung gerne wissen, welche personellen Aufstockungen für elementare Bildungseinrichtungen und Ausbaupläne im Hinblick auf ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr sie vorschlägt und auch die Mittel dafür bereit stellt“, schließt Morawek.

 

Die Wiener Kinderfreunde betreuen und bilden  in 160 Kindergärten und Horten rund 12.000 Kinder mit mehr als 80 verschiedenen Muttersprachen. Ihre PädagogInnen erhalten seit rund 15 Jahren Fortbildungen nach dem Konzept „Spracherwerb nach Roger Loos“ zum Thema wertschätzender, kompetenter Umgang mit Mehrsprachigkeit. Die MitarbeiterInnen erlangen dadurch zusätzliche Kompetenzen, Kinder mit anderen Muttersprachen als Deutsch bewusster und gezielter in ihrem Erst- bzw. Zweitspracherwerb fördern zu können. Zentrales Anliegen des Lehrganges ist das professionelle Hinführen zur Zweitsprache Deutsch im elementaren Bildungsbereich.

Rückfragen: Michaela Müller-Wenzel, T. 01/40125-55, michaela.mueller-wenzel@wien.kinderfreunde.at

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