Sitzungssaal

Studientag Elternbildung, 25./26.3.09, St. Virgil

Bildung beginnt nicht in der Schule, sie beginnt mit der Geburt!

Kinder lernen von Anfang an und kooperieren von sich aus ab der Geburt. Für die frühkindliche Bildung in der Kinderbetreuung und die Elternbildung ist diese von Genforschern und Verhaltensbiologen abgesicherte Erkenntnis von großer Bedeutung.
Unter dem Motto „Bildung von Anfang an“ stand die Studientagung des BMWFJ im Bereich Elternbildung am 25./26.3.2009. Mit dem Freiburger Psychiater mit Wurzeln in der Genforschung Johannes Bauer (Autor des Buches: „Das kooperative Gen – Abschied vom Darwinismus) und der Verhaltensbiologin Gabriele Haug-Schnabel von der Universität konnte zwei versierte und überzeugende Experten gewonnen werden.

Johannes Bauer:
Frühkindliche Bindungserfahrungen beeinflussen die Aktivität kindlicher Gene. Stress, vor allem auch psychischer Stress, kann die Genaktivität nachteilig beeinflussen, denn, wenn ein Mindestmaß an liebevoller Zuwendung an Säuglinge fehlt, sind diese als Erwachsene unter anderem schlechter in der Lage Stress auszuhalten und sich zu entspannen. Dauerhafter Stress macht krank und verringert die Anzahl an Nervenzellen im Gehirn. Lebensfreude und Anstrengungsbereitschaft resultieren aus der genetischen Fähigkeit Stresshormone richtig zu steuern. Positive Beziehungserfahrungen im späteren Alter können in einem bestimmten Ausmaß heilend auf die durch fehlende frühkindliche Bindung entstandenen Beeinträchtigungen wirken.

Gabriele Haug Schnabel:
Jedes Kind ist von sich aus zum Kontakt bereit, auf Bindung geeicht, um Beziehung bemüht und von Kommunikation begeistert. Das bedeutet aber auch, dass verinnerlichte Erwartungen des Säuglings erfüllt werden müssen. Kinder sind auch von Anfang an mit der Bewältigung von Angst beschäftigt und auf der Suche nach Selbstwirksamkeit und Konfliktlösung.

Kinder kommen als neugierige Forscher auf die Welt, die auf verschiedenste Art und Weise lernen, nicht nur durch Rezeption vorgefertigter Erkenntnisse, sondern vor allem auch selbstorganisiert, erfahrungsabhängig, eigenaktiv, spontan, selektiv und selbsttätig, unterstützt durch hoch leistungsfähige Lernstrategien.
Hier ist die Herausforderung für das Bildungssystem generell, dass von Kindern viel zu viele Anpassungsleistungen verlangt und zu wenige selbst organisierte Lernprozesse von Kindern zulässt.
Wir erziehen Kinder zu (Bildungs-)Konsumenten.
In vier Arbeitsgruppen wurde das gehörte anschließend vertieft. Andrea Fraundorfer (ehemals Schulkompetenzzentrum, nun BMUKK) und Günther Leeb leiteten einen Workshop zum Thema wie können Eltern den Bildungsprozess von Kindern in der Schule unterstützen und fördern ohne den ohnehin wachsenden Leistungsdruck noch zu verstärken.
Etwa 120 TagungsteilnehmerInnen erlebten einen gut organisierten Studientag zu einem eminent wichtigen Thema.

Mehr Infos:
Mag. Günther Leeb, Österreichische Kinderfreunde
 oder auf www.eltern-bildung.at

Druckansicht
 


Österreichische Kinderfreunde - Bundesorganisation
Rauhensteingasse 5/5 · 1010 Wien
01/512 12 98 ·

© 2015 Kinderfreunde. All rights reserved.