geschichte_zwanzig

Repolitisierung

Zu Beginn der 1970er Jahre hatte sich die politische Situation in Österreich geändert. Die SPÖ wurde bei den Nationalratswahlen 1970 erstmals in der Zweiten Republik zur stärksten Partei Österreichs, bei den Wahlen 1971 erreichte die SPÖ unter Bruno Kreisky schließlich die absolute Mehrheit.

Global traten neue Probleme auf, durch die Aufrüstung der Großmächte sah man den Weltfrieden bedroht, die Umweltverschmutzung nahm bisher unbekannte Ausmaße an. Dies führte zu einer Sensibilisierung weiter Bevölkerungsteile für diese Probleme und beeinflusste auch die Entwicklung der Roten Falken. In der zweiten Hälfte der 70er Jahren rückte das politische Engagement der Falkenarbeit gegenüber Orientierungslauf, Waldläuferromantik und Wintersporttagen wieder in den Vordergrund. Neue Erziehungsstile und -modelle wurden entwickelt und erprobt. Das Eintreten der Roten Falken für eine Umwelt ohne Atomenergie führte - besonders im Fall Zwentendorf - zu Spannungen mit der SPÖ.

Als indirekte Folge der Studenten- und Jugendbewegung im Jahr 1968 rückten die sozialistischen Jugendverbände politisch nach links. Besonders im Camp Döbriach und in einzelnen Bundesländern begannen sich die Falken in der Arbeit mit Kindern mit politischen Themen zu beschäftigen. So stand 1977 das Camp in Döbriach unter dem Lagermotto: Kritisch-bewußt-solidarisch, das Bundeslager 1979 hatte den Schwerpunkt Indianer-Gastarbeiter-Arbeitslose.

Ab 1974 nahmen die Teilnehmer*innenzahlen am Camp zu und zeigten das steigende Interesse an Döbriach als Falkenzentrum. Die internationalen Solidaritätsaktionen richteten sich an Südamerika, Bangladesh, Nicaragua und Sahauri, Großbritannien, Italien und Jugoslawien. Obwohl im 1974 erschienenen "Mein Falkenbuch" der zehnte und letzte Grundsatz: "Wir Roten Falken fühlen uns mit allen demokratischen Sozialisten verbunden und wollen dazu beitragen, Not, Hunger, Krankheit und Unwissenheit in der Welt zu bekämpfen" lautete, stand das Buch thematisch noch im Zeichen der Zeltlagerkunde, des Wanderns, der Feuerstellen und der Wegzeichen. 

1980 wurde eine neue Falkenbewährung beschlossen, das Leistungsbuch wurde abgeschafft und auch die Falkengrundsätze, das Falkensymbol und das Falkenbuch sollten geändert werden. Erst das 1980 erschienene "Mein Rotes Falkenbuch" enthielt zahlreiche politische Themen wie Umweltverschmutzung, Frieden und Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt.  

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Rote Falken Wien
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